"Saturday Night" von Whigfield: Der 90er-Eurodance-Hit im Porträt

Eurodance-Sängerin
Eurodance-Sängerin (Bild von Wendy Wei auf Pexels)

Als „Saturday Night“ im Jahre 1992 erstmalig in Italien erschien, fristete der Song noch zwei Jahre ein Schattendasein. Die zweite Veröffentlichung ein Jahr später in Spanien brachte die Sache langsam ins Rollen. Die europaweite Vermarktung im Jahre 1994 führte endlich zum internationalen Durchbruch.

„Saturday Night“ von Whigfield hat einen enormen Wiedererkennungswert. Bereits die ersten Takte wecken Erinnerungen an ausgelassene Nächte in Diskotheken, an Sommerurlaub und an wilde Partys. Auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung ist der Titel einer der beliebtesten Eurodance-Hits auf 90er-Partys oder in 90er-Playlisten.

In diesem erfährst du mehr über die Entstehung, die Bedeutung des Songtextes, Charterfolge und warum der Klassiker auch heute noch so beliebt ist.

Überblick über die Themen (Zum Schließen anklicken)

 

Wer ist Whigfield?

Hinter Whigfield steckt ein italienisches Eurodance-Projekt mit der dänischen Sängerin Sannie Charlotte Carlson als Frontfrau. Sie stammt aus Dänemark, doch ihre musikalische Karriere machte sie in Italien. Dort arbeitete sie mit bekannten Produzenten der Eurodance-Szene zusammen.

Im Interview mit der britischen Tageszeitung „The Guardian“ blickt sie auf ihren Anfang zurück: „Ich habe in Kopenhagen Modedesign studiert und mich dann entschlossen, nach Mailand zu gehen und den Italienern zu zeigen, wie’s geht. Das hat nicht geklappt. Am Ende schlug ich mich gerade so durch, arbeitete tagsüber als Model und nachts in der PR für Clubs. Einer der Club-DJs, Davide Riva, war Teil eines Musikproduktionsduos. Er überredete mich, für sie zu singen.“

 

Whigfields Durchbruch

„Saturday Night“ erschien erstmals 1992 in Italien, doch ohne nennenswerten Erfolg. Als eine kleine Plattenfirma aus Valencia den Titel herausbrachte, kletterte er Ende 1993 in den spanischen Charts auf Rang eins. Britische Spanien-Urlauber, die den Song im Radio und in Clubs hörten, waren begeistert. Sie brachten das Lied nach Hause mit, wodurch plötzlich eine große Nachfrage entstand. Er entwickelte sich zu einem Riesenhit in Großbritannien und dann weltweit. Kurz nach  seiner Veröffentlichung in Großbritannien in 1994 stieg „Saturday Night“ direkt auf Platz eins der Charts ein. Bei einer Sängerin hatte es so etwas noch nie zuvor gegeben.

Weltweit wurden über zwei Millionen Tonträger verkauft.

Für Whigfield bedeutete dies den Start einer erfolgreichen Karriere. Auch spätere Singles wie „Another Day“, „Think of You“ oder „Close to You“ konnten gute Chartplatzierungen erreichen, doch keine Veröffentlichung kam an den Erfolg ihres ersten Hits heran.

 

Die Entstehung von „Saturday Night“

Die Produzenten Larry Pignagnoli und Davide Riva schrieben den Titel.

In nur drei Tagen schrieben sie einen einfachen Text über eine junge Frau, die sich auf den Samstagabend in einem Club zuhause vorbereitet. Wir sehen uns das Werk mal näher an.

 

Musikalische Aspekte des Liedes

Der Song gehört der Musikrichtung Eurodance an. Das Genre war von Anfang bis Mitte der 1990er Jahre in Europa sehr beliebt.

Die Produzenten verwendeten als Instrumente Synthesizer und elektronische Drums. Ein Rave-beeinflusster Rhythmus und ein Piano-Part am Ende des Liedes begleiten die Melodie. Der Beat mit 130 BPM ist gut tanzbar. Wegen seiner Gleichmäßigkeit eignet sich der Titel auch gut zum Discofox tanzen.

Innerhalb der Musikrichtung Eurodance fällt das Stück aus dem üblichen Rahmen heraus. Während viele Produktionen Passagen mit Sprechgesang haben, die von einem weiteren meist männlichen Sänger gesungen werden, wählten die Produzenten von „Saturday Night" eine klare Pop-Struktur ohne Sprechgesang.

 

Worum geht es im Text zu „Saturday Night“?

 „Saturday Night“ handelt von einer jungen Frau, die sich zurechtmacht, um sich an einem Samstagabend im Nachtleben einer Stadt zu vergnügen.

Der Text besteht aus kurzen, leicht merkbaren Zeilen. Dadurch eignet er sich hervorragend zum Mitsingen.

Die Anfangszeile „Dee dee na na na" rutschte, wie die Sängerin in einem Interview erzählte, unbeabsichtigt in die Aufnahme. Doch Produzent Larry Pignagnoli meinte, die Zeile passe gut zur Stimmung des Titels und so blieb sie erhalten.

Der einprägsame Refrain mit der Aufforderung „Be my baby“ vermittelt den Wunsch nach Nähe. Er drückt das Verlangen aus, diesen Abend mit einer besonderen Person zu verbringen. Der wiederkehrende Satz „Saturday Night, I feel the air is getting hot" bedeutet, dass die Sängerin wegen der bevorstehenden Partynacht sehr aufgeregt ist.

Die wiederholten Zeilen und der eingängige Rhythmus laden zum Tanzen ein und verstärken das positive Gefühl.

Den Text des Songs findest du hier.

 

Der „Saturday Night“-Tanz

Der leicht zu erlernende Tanz, den die Leute in Clubs und auf Partys dazu tanzten, trug ebenfalls zum Erfolg des Liedes bei.

 

Der Ursprung des Tanzes

Der charakteristische Tanz, der mit „Saturday Night“ eng verknüpft ist ist, wurde nicht von Whigfield selbst entwickelt. Wie die Sängerin in einem Interview erzählte, stammt die Choreografie von einem Aerobic-Lehrer in Valencia, der sich eine einfache und einprägsame Folge von Arm- und Hüftbewegungen für seinen Aerobic-Kurs am Strand ausdachte.

 

Verbreitung des Tanzes

Der Tanz fand schnell Anklang bei Urlaubern, die nach Hause zurückkehrten und die Bewegungen in Clubs und auf Partys nachmachten. Bei einem Auftritt von Whigfield in der britischen TV-Show Top of the Pops am 15. September 1994 führten ihn Hintergrund-Tänzer auf. Dadurch erhielt der Tanz noch mehr Aufmerksamkeit.

Youtube Video Whigfield in TV-Show TOTP

 

Das Musikvideo zu „Saturday Night“

Die britische Produktionsfirma „La La Land“ nahm das Musikvideo 1994 in London auf.

Es präsentiert die Sängerin vor einem Spiegel mit einem blauen Hintergrund. Sie bereitet sich darauf vor, am Samstagabend auszugehen. Sie föhnt sich die nassen Haare, flechtet die Haare zu Zöpfen und schminkt sich. Sie sieht sich Fotos einiger Männer an. Sie wählt eines aus, küsst es und befestigt es am Spiegel. In weiteren Szenen tanzt sie entspannt und unterstreicht so den fröhlichen Charakter der Musik.

Youtube Video Whigfield Saturday Night

 

Meinungen der Musikkritiker nach der Veröffentlichung

Die Kritiken fielen unterschiedlich aus. Viele Musikjournalisten lobten den Ohrwurm-Charkter und die gute Tanzbarkeit. Andere Kritiker bemängelten hingegen die einfache Struktur und den Text mit vielen Wiederholungen.

Larry Flick vom Magazin „Billboard“ sprach von einem mitreißenden Pop-/Dance-Song mit einem „umwerfenden Refrain, der von fröhlichen weiblichen Gesangspassagen untermalt wird“.

Tom Ewing von „popular-number1s“ betonte: “Es ist einer dieser seltenen Party-Hits, der seine Zuhörer nicht bedrängt. Die meisten von ihnen – von „Conga“ bis „Macarena“ – verströmen inmitten von Piz Buin und Pina Colada einen starken Beigeschmack von Zwang, ein vampirhaftes Verlangen, ihr Publikum in den Spaß hineinzuziehen. Nicht so „Saturday Night“, der vor allem dank Whigfields sachlicher Darbietung auf charmante Weise unprätentiös wirkt.“

Dagegen gab Sylvia Patterson von „Smash Hits“ ein negatives Urteil ab: „Quak, quak! macht irgendein ‚Instrument‘, bevor jemand anfängt, auf dem Klavier den ‚Euro-Chopsticks‘-Rhythmus zu spielen, und wir werden in einen Rausch aus quietschstimmigem ‚Dum-de-dum-de-dum!‘ und textlichem Unsinn versetzt …“.

 

Internationale Chartplatzierungen

„Saturday Night“ entwickelte sich weltweit zu einem der erfolgreichsten Dance-Hits der 1990er-Jahre.

Er erreichte unter anderem in diesen Ländern Platz eins der Charts:

  • Deutschland
  • Großbritannien
  • Spanien
  • Irland

In weiteren Ländern wie beispielsweise Frankreich, Italien oder Österreich kam er in die Top Ten.

Besonders bemerkenswert war der direkte Einstieg auf Platz eins der britischen Charts. Whigfield war damit die erste Künstlerin, deren Debütsingle auf Anhieb die Spitzenposition der UK-Charts erreichte.

In Großbritannien erzielte das Stück auch die höchste Anzahl an zertifizierten Musikverkäufen (1.180.000 Einheiten). Dafür bekam es zwei Platin-Auszeichnungen. In Deutschland gingen immerhin noch 500.000 Einheiten über die Ladentheke.

 

Coverversionen und Remixe

Zahlreiche Interpreten nahmen das Original neu auf (Cover) oder bearbeiteten das Original neu (Remixe). Wir blicken zuerst auf Coverversionen und dann sehen wir uns die wichtigsten Remixe an.

 

Coverversionen

Bislang erschienen 14 Coverversionen. Eine sehen wir uns mal näher an.

Interessant finde ich die Version des britischen Trios Blame Jones. Das Trio ist dafür bekannt, populäre Songs im Akustik-Stil neu zu interpretieren. Hier kommt das Stück im Piano-Stil.

Youtube Video Blame Jones-Saturday Night

 

Remixe

Die Remixe sind im Vergleich zum Original in der Regel ein bis zwei Minuten länger. Typisch sind längere Instrumental-Phasen, wiederholte Refrains und manchmal auch zusätzliche Effekte, um so das Stück zum Tanzen in Diskotheken besser anzupassen. Die CD-Single des Originals enthält diese offiziellen Remixe:

  • extended nite mix
  • nite mix
  • beagle mix
  • dida mix
  • deep nite mix
  • trance beat mix

Neben den offiziellen gibt es auf YouTube oder Soundcloud noch zahlreiche inoffizielle Remixe. Diese sind vom Produzenten oder von dem Label des Originals allerdings nicht autorisiert. 

 

Warum wurde „Saturday Night“ ein Welterfolg?

Charakteristisch für den Song ist die Verbindung aus eingängigen Synthesizer-Melodien, einem konstanten Dance-Beat und einem besonders leicht mitsingbaren Refrain. Hinzu kommen die Tanzbewegungen, die zu seiner Beliebtheit beitrugen und auf Partys zum Mitmachen einladen.

Der Song enthält einfache musikalische Strukturen, die aus Wiederholungen, eingängigen Harmonien und einem klaren Rhythmus bestehen.

Der Liedtext ist alles andere als ein literarisches Meisterwerk. Den Anspruch hat er auch gar nicht. Der einfache Text soll vielmehr die Leute in Discotheken zum Tanzen animieren. Und im Radio überzeugen die Kürze des Liedes und der leicht verständliche Refrain. Kein Wunder also, dass der Song häufig noch in Playlisten des Jahrzehnts auftaucht.

 

Zusammenfassung

Whigfield zählt zu den bekanntesten Vertretern des Eurodance der 1990er-Jahre. Mit „Saturday Night“ gelang dem Produzentenduo mit Sängerin Sannie Charlotte Carlson ein internationaler 90er-Hit, der den Sound seiner Zeit verkörpert. Die eingängige Melodie, der einfache Aufbau und der unverwechselbare Refrain haben wesentlich dazu beigetragen.

 

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