"Disturbia" von Rihanna: Ein dunkler Song, der die Sängerin 2008 an die Spitze brachte
Du hast das Lied Disturbia der aus Barbados stammenden Pop-Sängerin Rihanna wahrscheinlich schon einige Male gehört. Es ist mehr als ein gewöhnlicher Dance-Pop-Hit. Hinter dem eingängigen Beat und dem markanten Refrain verbirgt sich ein düsterer Text über Angst, Verwirrung und Kontrollverlust. Trotzdem findest du den Song oft auf Party-Playlisten. Grund genug, uns dieses ungewöhnliche Lied mal näher anzusehen.
Überblick über die Themen (Zum Schließen anklicken)
- Entstehung des Songs
- Die Idee zum Song
- Was bedeutet „Disturbia“ von Rihanna?
- Analyse des Liedtextes von „Disturbia“
- Die wichtigsten sprachlichen Bilder (Metaphern)
- Der Refrain als musikalischer Höhepunkt
- Ein Text mit einem offenen Ende
- Musikalische Aspekte zu "Disturbia"
- Meinung der Musikkritiker
- Charterfolge und Auszeichnungen
- Das Musikvideo zu "Disturbia"
- Ist „Disturbia“ ein Sommerhit?
- Disturbia: Die Bedeutung für Rihannas Karriere
- Zusammenfassung
Entstehung des Songs
Der Song erschien 2008 als Singleauskopplung aus der erweiterten Fassung von „Good Girl Gone Bad“ mit der Bezeichnung „Good Girl Gone Bad: Reloaded“. US-Musiker Chris Brown und sein Team schrieben das Stück. Brown wollte ihn ursprünglich auf seinem zweitem Studioalbum „Exclusive“ (2007) veröffentlichen. Doch er entschied sich stattdessen für den den Titel Forever. Er gab den Song dann seiner damaligen Freundin Rihanna, weil er der Auffassung war, dass eine Sängerin „Disturbia“ besser interpretieren könne.
Die Idee zum Song
Wie Chris Brown auf den merkwürdigen Titel gekommen war, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. In einem Interview sagte er lediglich, dass er etwas Komisches machen wollte.
Wahrscheinlich gab der 2007 in den USA als Kinfilm erschienene Thriller Disturbia den Anstoß. Chris Brown dachte sich wohl, der Titel sei für einen Song gut geeignet.
Was bedeutet „Disturbia“ von Rihanna?
Das Wort „Disturbia“ im Titel von Rihannas Lied findest du in keinem englischen Wörterbuch. Es ist ein Kunstwort, das aus dem Verb „to disturb“ (deutsch: stören, durcheinanderbringen) und dem Wort „suburbia“ (deutsch: Vorstadt) gebildet wurde. Im Zusammenhang mit dem Lied bezeichnet es den Zustand einer geistigen Verwirrung.
In dem Lied nimmt die Sängerin die eigene Umgebung nur noch verzerrt wahr. Sie empfindet dies bedrohlich, zumal die Angst und die Qualen der Verwirrung immer stärker werden. Sie hat den Eindruck, die Kontrolle über die eigene Situation zu verlieren. Die Ursache dieses Zustandes bleibt aber im Dunkeln.
Analyse des Liedtextes von „Disturbia“
Im Lied Disturbia von Rihanna geht es um innere Verwirrungen und den verbundenen psychischen Belastungen. Düstere Metaphern beschreiben die Gefühle des lyrischen Ichs.
Das Lied beginnt den Fragen „Was ist los mit mir?“ und „Warum fühle ich mich so?“. Dieser Monolog steht im Kontrast zum hypnotischen „Bum-bum-be-dum“-Gesang.
Im Text spielen Metaphern (bildhafte Ausdrücke) eine große Rolle. Das Bild der Dunkelheit steht dabei für Unsicherheit und fehlende Orientierung. Was zunächst unsichtbar blieb, wird zunehmend bedrohlich. Es sieht so aus, als ob die Gefahr nicht von außen kommt, sondern dass sie im Kopf der Erzählerin entsteht. Die wichtigsten sprachlichen Bilder sehen wir uns mal näher an.
Die wichtigsten sprachlichen Bilder (Metaphern)
Im Songtext veranschaulichen zahlreiche bildhafte Ausdrücke den Zustand der psychischen Verwirrung:
- Disturbia als psychischer Zustand: Der Titel selbst steht für einen psychischen Zustand voller Ängste.
- Der Dieb: Der Text beschreibt die seelische Qual als „einen Dieb in der Nacht, der kommt und dich packt“ ("It′s a thief in the night to come and grab you"). Diese Metapher betont offensichtlich das Gefühl, dass die Angst die Kontrolle übernimmt.
- Krankheit: Die Zeile „Eine Krankheit des Geistes, sie kann dich kontrollieren“ („A disease of the mind, it can control you”) setzt offensichtlich die Verwirrung mit einer Krankheit gleich, die einen Menschen völlig beherrschen kann.
- Die Stadt der Wunder: Die Zeile „Wir sind in der Stadt der Wunder“ ("You′re in the city of wonder") dürfte spöttisch gemeint sein. In dieser „Stadt“ gibt es kein Glück und keine Zufriedenheit. Im Gegenteil: Sie ist ein Wirrwarr Angst einflößender Gedanken, die den Geist überfordern.
- Licht und Dunkelheit: Die Textzeile „Es ist, als wäre die Dunkelheit das Licht“ ("It's like the darkness is the light") steht wohl dafür, dass die Erzählerin die psychischen Qualen als etwas Normales ansieht.
- Bild des Monsters: Die Zeile „Ich fühle mich wie ein Monster, oh“ („ I feel like a monster, oh“) deutet darauf hin, dass die Protagonistin merkt, wie sie sich selbst zu einem furchterregenden Ungeheuer entwickelt.
- Bild des Untergehens: Die Zeile „Pass auf, du könntest untergehen“ („Watch out, you might just go under“) bedeutet offensichtlich, dass die geistige Verwirrung die Erzählerin so sehr überwältigen könnte, dass sie darin umkommt.
Der Refrain als musikalischer Höhepunkt
Die Phrase „Bum-bum-be-dum-bum-bum“ im Refrain spielt eine zentrale Rolle. Neben den Instrumenten bestimmt sie den Rhythmus. Der Refrain ist äußerst eingängig und genau hier liegt der besondere Kontrast des Liedes: Die Melodie lädt zum Mitsingen und Tanzen ein, während der Inhalt von Angst und Kontrollverlust handelt.
Ein Text mit einem offenen Ende
Im Lied erfährst du nichts über die Ursache der geistigen Verwirrung. War es eine toxische Beziehung, eine psychische Krise oder ein bedrohliches Ereignis? Einige verstehen das Lied als Beschreibung von Angstzuständen, andere als Bild einer toxischen Situation oder als Verlust der eigenen Identität.
Da dies alles offenbleibt, können die Hörer den Song nach ihren persönlichen Erfahrungen ganz individuell deuten.
Den vollständigen Songtext findest du hier.
Musikalische Aspekte zu "Disturbia"
Disturbia hat einen sofort wiedererkennbaren elektronischen Beat mit 125 BPM (Beats Per Minute) und eine eingängige Synthesizer-Melodie. Der Rhythmus ist gut zum Tanzen geeignet.
Das Lied beginnt mit einer sich wiederholenden Keyboard-Melodie. Die hinzukommende treibende Basslinie versetzt den Hörer in Spannung.
Rihannas Gesang hört sich durch besondere Effekte fast schon wie der eines Roboters an.
Meinung der Musikkritiker
Musikkritiker äußerten sich nach der Veröffentlichung nicht immer positiv.
Josh Tyrangiel vom US-Magazin Time hob die „gummiballartigen Melodien, die einem im Kopf herumhüpfen“ als Pluspunkt hervor. Zu den Kritikpunkten schrieb er:“… macht sich beliebt, indem es nicht versucht, mehr zu sein als das alberne Produkt, das es ist. Aber eine Sommerhymne sollte zumindest einen Moment haben, in dem sie sich gewaltig anfühlt.“
Alex Fletcher vom britischen Unterhaltungs-Magazin Digital Spy äußerte sich positiv: „„Disturbia“ ist wahrscheinlich eine ihrer stärksten Veröffentlichungen – ein spaßgeladener Electro-Genuss voller knisternder Beats und verrückter Gesangseffekte. Wenn dich das „Bum-Bum-Be-Dum-Bum-Bum-De-Bum-Bum“-Intro nicht in seinen Bann zieht, wird ihr eingängigster Refrain seit „Umbrella“ das sicherlich nachholen. Eine beeindruckende Veröffentlichung, die beweist, dass Rihanna das Jahr 2008 genauso dominiert wie schon 2007.“
Fraser McAlpine von BBC-Music lobte Rihannas eisiges Gejammere, den frostigen Rave-Refrain und den Refrain, der nach seiner Meinung dem Song „Blue (Da Ba Dee)“ von Eiffel 65 ähnelt. Er bemängelte aber, das Werk sei nichtssagend und der Titel sei schlecht.
Charterfolge und Auszeichnungen
Der Titel stieg am 26. Juni 2008 in den US-Billboard-Hot-100-Charts auf Platz 18 ein. Er kletterte dann am 14. August 2008 auf Platz eins, wo er zwei Wochen lang blieb.
Auch außerhalb der USA war der Titel erfolgreich. In mehr als fünfzehn europäischen Ländern erreichte er die Top Ten, darunter in Deutschland mit Platz fünf. Weltweit wurden mehr als 10 Millionen Tonträger verkauft.
Der Song gewann mehrere Auszeichnungen. Unter anderem sind es diese:
- Preis für den besten internationalen Song bei den NRJ Music Awards 2009.
- Nominierung in der Kategorie „Beste Dance-Aufnahme“ bei den 51. jährlichen Grammy Awards.
Das Musikvideo zu "Disturbia"
Der US-amerikanische Filmregisseur Anthony Mandler führte Regie bei dem Video, das 2008 in Los Angeles gedreht wurde.
Als Regisseur von Musikvideos arbeitete Anthony Mandler häufig mit Rihanna zusammen. Insgesamt sechzehn Musikvideos hatte Mandler zusammen mit Rihanna gedreht, unter anderem zu ihren Songs Unfaithful (2006) und Take a Bow (2008).
Das Musikvideo zu Disturbia zeigt genauso wie der Liedtext überzeichnete Bilder, die den Zuschauer an einen Horrorfilm erinnern. Die Räume sind eng, Rihanna trägt auffälliges Make-up und angsteinflößende Figuren erzeugen eine gruselige Atmosphäre.
Das Video reiht wirklichkeitsfremde Szenen wie Fragmente aneinander. Hier ein kurzer Ausschnitt:
Am Anfang sehen wir Rihanna in einer Folterkammer. Sie trägt schwarze Kleidung und ist mit dunklem Make-up geschminkt. Ihre Finger mit langen schwarzen Nägeln klimpern auf den Tasten eines riesigen Klaviers herum.
In einer weiteren Szene ist sie gefangen. Sie trägt Kontaktlinsen, die den Eindruck erwecken, als wären ihre Augen nach hinten gerollt.
Während des ersten Refrains ist Rihanna an ein Bett gefesselt.
Zu Beginn der zweiten Strophe hält sie sich an einer Säule fest. Dabei ist sie von Feuer umgeben.
Im zweiten Refrain befindet sie sich in einem Raum, in dem ihre Hände in der Wand und ihre Beine im Boden feststecken. Sie trägt einen aus Stacheldraht hergestellten Turnanzug. Taranteln kriechen über ihren Körper.
Am Ende dreht sitzt Rihanna auf einem Stuhl, sie dreht sich um und blickt in die Kamera.
Ist „Disturbia“ ein Sommerhit?
Es klingt schon merkwürdig, aber die die US-amerikanischen Unterhaltungsmagazine Time und Billboard bezeichnen das Lied als Sommerhit.
Da Sommerhits oft von Liebe, Partys und Urlaub handeln, hat mich dies schon überrascht. Denn auf den ersten Blick passt der düstere Text nicht zu einem klassischen Sommerhit mit fröhlichen Themen. Meiner Meinung nach könnte der Song auf der Playlist einer Halloween-Party stehen. Da stellt sich die Frage, warum Disturbia trotzdem als Sommerhit bezeichnet werden kann.
Diese Gründe sprechen dafür:
- Die fröhliche Musik lässt den Text in den Hintergrund treten: Der treibende Beat ruft eine fast euphorische Stimmung hervor. Hinzu kommt, dass der Refrain „Bum bum be-dum, bum bum be-dum bum“ wie ein Ohrwurm wirkt.
- Der überzogene Text wirkt eher wie die Satire zu einem Horrorfilm, den keiner ernst nimmt.
Disturbia: Die Bedeutung für Rihannas Karriere
Nachdem Rihanna mit dem Lied Umbrella 2007 ihren bislang größten kommerziellen Erfolg eingefahren hatte, hätte sie einfach mit dem karibisch geprägten R&B-Sound weitermachen können. Doch sie entschied sich anders und erweiterte mit Suburbia ihren Stil:
- Sie verknüpfte Pop, R&B und elektronische Tanzmusik mit einem Grusel-Thema.
- Erstmals klang ihr Gesang durch elektronische Effekte wie der eines Roboters.
- Mit dem Musikvideo voller bizarrer Bilder schuf sie ein unverwechselbares Image, in dem sie ihre dunkle Seite zeigte.
Dies alles trug dazu bei, dass Rihanna mit Disturbia von einer erfolgreichen R&B-Sängerin zu einer vielseitigen Pop-Künstlerin aufstieg.
Zusammenfassung
Der Song handelt von Angst, Verwirrung und dem Gefühl, die Kontrolle über die eigene Wahrnehmung zu verlieren. Rihannas Disturbia verbindet völlig überzeichnete Szenen mit einem eingängigen Dance-Pop-Sound. Der Ohrwurm-Charakter ist dabei so stark, dass der düstere Text eher als Parodie zu einem Horrorfilm empfunden wird.
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