Wie Lady Gagas "Just Dance" die Popmusik der 2000er Jahre prägte

Leute tanzen in einem Club
Leute tanzen in einem Club und haben Spaß (Bild von Anderson Vieira auf Unsplash)

Bevor Lady Gaga mit der Single Just Dance die öffentliche Bühne betrat, war sie in der breiten Öffentlichkeit noch wenig bekannt. Als das Lied am 08.04.2008 veröffentlicht wurde, ahnte noch keiner, dass es die Popmusik des Jahrzehnts stark prägen würde. Zugleich ist der Song der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere einer Künstlerin, die ihr avantgardistisches Outfit auf Bühnenshows gezielt als Markenzeichen verwendet.

In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die Entstehung, die Bedeutung des Textes und den Einfluss des Hits auf andere Interpreten.

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So entstand der Hit "Just Dance"

Lady Gaga, der marokkanisch-schwedische Musik-Produzent RedOne und der Sänger Akon schrieben das Lied. Colby O’Donis trat als Gastsänger auf.

Lady Gaga schrieb Just Dance kurz nachdem sie von New York nach Los Angeles geflogen war, um an dem Album The Fame zu arbeiten. Sie wusste, dass sie mehrere Monate in Los Angeles bleiben würde. Deswegen feierte sie in New York am Vorabend ihrer Abreise eine große Abschiedsparty, bei der der Alkohol in Strömen floss. Bei ihrer Ankunft in LA war sie noch ziemlich verkatert. Trotzdem machte sie sich mit RedOne und Akon in den Record Plant Studios an die Arbeit. RedOne spielte einen Beat vor und sie begann, „I’ve had a little too much“ zu singen. So diente die Party der vergangenen Nacht und der darauffolgende Kater als Inspiration.

In einem Interview mit der Tageszeitung The Telegraph sagte sie: „Ich hatte einen furchtbaren Kater. Ich habe den Song in etwa 10 Minuten zusammen mit RedOne geschrieben. Und es war mein erster Besuch in einem Hollywood-Studio. Ein sehr makelloser, großer, riesiger Raum mit gigantischen Lautsprechern.“ 

 

Ein Blick auf den musikalischen Stil und die Lyrics von "Just Dance"

Produzent Redone wollte einen einzigartigen Sound für Gaga schaffen. Dazu kombinierte er die kräftigen Drums nicht mit Gitarrenklängen, sondern mit Synthesizern. Die 90er-Songs der schwedischen Sängerin Leila K gaben ihm ein paar Anregungen.

Im britischen TV-Sender GMTV gab Lady Gaga am 16.01.2009 ein Interview und präsentierte den Titel anschließend live.

 

 

Der Musikstil des Erfolgshits

Stilistisch gehört der Titel dem Dance-Pop mit Zutaten aus Electropop und Synthpop an. Pulsierende Synthesizer-Klänge erzeugen einen eingängigen, tanzbaren Rhythmus mit 119 Beats pro Minute. Wegen des klaren 4/4-Taktes und des gleichmäßigen Beats kannst du zu dem Titel wunderbar Discofox tanzen.

 

Die tiefere Bedeutung hinter dem Text

Die Künstlerin schrieb das Stück als „fröhliches Lied“ in zehn Minuten. Die Beschwingtheit gibt der Refrain mit „just dance, gonna be okay“ wieder.

Der Text des Liedes handelt von einer Nacht in einem Club, in dem die Protagonistin wegen übermäßigen Alkoholgenusses völlig berauscht ist. Doch trotz aller Einschränkungen will sie weitertanzen. Zu Beginn des Songs nennt Lady Gaga den Namen des Produzenten, „RedOne“. Dies hört sich an wie „red wine“ (Rotwein). Es ist aber das akustische Markenzeichen des Produzenten.

 

Die erste Strophe lautet:

 

I've had a little bit too much, much (Oh, oh, oh-oh)

All of the people start to rush (Start to rush by)

A dizzy twister dance, can't find my drink or man

Where are my keys? I lost my phone, phone (Oh, oh, oh-oh)

 

Sie gibt zu, dass sie “ein bisschen zu viel” getrunken hat. Völlig verwirrt bemerkt sie, dass sie ihre Schlüssel und ihr Mobiltelefon verloren hat. Ihren Drink oder Begleiter findet sie auch nicht mehr. Dies macht sie tiefbetrübt.

 

Der Refrain lautet: 

 

What's goin' on, on the floor?

I love this record, baby, but I can't see straight anymore

Keep it cool, what's the name of this club?

I can't remember, but it's alright, a-alright

Just dance

Gonna be okay, da-da-doo-doot-n

Just dance

Spin that record, babe, da-da-doo-doot-n

Just dance

Gonna be okay

Da-da-da-dance, dance, dance

Just, j-j-just dance

 

Der Refrain greift die Kernaussage des Liedes auf: Egal was passiert, einfach weitertanzen. Dass sie sich an den Namen des Clubs nicht mehr erinnern kann und nicht mehr klarsehen kann, unterstreicht ihre Verwirrtheit. Dennoch gibt ihr die wiederholte Aufforderung “Just dance” einen gewissen Halt.

 

In der zweiten Strophe singt sie:

 

Wish I could shut my playboy mouth (Oh, oh, oh-oh)

How'd I turn my shirt inside out? (Inside out, right)

Control your poison, babe, roses have thorns, they say

And we're all gettin' hosed tonight (Oh, oh, oh-oh)

 

Das Umdrehen ihres Shirts “inside out” unterstreicht ihren verwirrten Zustand. Der Ausdruck “Control your poison” steht für die Gefährlichkeit des Alkoholkonsums. Das Sprichwort “roses have thorns” besagt, dass Vergnügen und Risiko dicht beieinander liegen.

 

Die dritte Strophe übernimmt Colby O’Donis als Gastsänger. Die Frauen auf der Tanzfläche begeistern ihn so sehr, dass eine von ihnen näher kennenlernen will. Dieses Bild hebt den Nachtclub als Ort des Vergnügens und der flüchtigen Beziehungen hervor.

 

Die dritte Strophe lautet:

 

When I come through on the dance floor, checking out that catalogue (Hey)

Can't believe my eyes, so many women without a flaw

And I ain't gon' give it up, steady, tryna pick it up like a call

I'mma hit it, I'mma beat it up, latch onto it until tomorrow, yeah

Shorty, I can see that you got so much energy

The way you twirlin' up them hips 'round and 'round

And there is no reason at all why you can't leave here with me

In the meantime, stay, let me watch you break it down and

 

Aus dem Blickwinkel eines Mannes betrachtet nun Sänger Colby O’Donis die Frauen auf der Tanzfläche. Sie begeistern ihn so sehr, dass eine von ihnen näher kennenlernen möchte. Dieses Bild hebt den Nachtclub als Ort des Vergnügens und der flüchtigen Beziehungen hervor.

Im übertragenen Sinn gibt die Phrase „Just dance“ die Erfahrung wieder, dass Tanzen trotz aller Widrigkeiten Ablenkung und Freude bietet.

Lady Gaga schrieb nicht nur Songs mit optimistischen Texten. Sie brachte auch Lieder heraus, deren Lyrics eine traurige, nachdenkliche oder sogar depressive Stimmung vermitteln wie zum Beispiel "Bad Romance" (2009) oder "Million Reasons" (2016).

 

Die Meinung der Musikkritiker zu „Just Dance“

Musikkritiker beurteilten das Lied überwiegend positiv. Sie unterstrichen seine Eigenschaft als Club-Hymne und hoben den neuen Sound hervor. Hier sind einige Stimmen:

Alexis Petridis von der britischen Zeitung The Guardian nannte ihn eine „verführerisch fesselnde Geschichte über einen drogenbedingten Blackout, mit einer Kombination aus prägnanten Marschbeats, sägenden Elektronikklängen und einem leichten R&B-Einschlag, der eine vage Ähnlichkeit mit Nelly Furtados ‚Maneater‘ aufweist.

Ben Hogwood vom Magazin MusicOMH schrieb: „Es wird dieses Jahr kaum eine eingängigere Partyhymne geben als den Chartstürmer ‚Just Dance‘ – ein geschliffenes Juwel, das sich in den nächsten Wochen in deinem Kopf festsetzen wird.“

Dagegen bezeichnete J. Freedom du Lac von der Washington Post den Song als „voll von sinnlosem, seichtem Synth-Pop, der zweitklassige Dance-Grooves mit Gagas eisigem, fast körperlosem Gesang über die Wonne des Tanzens verbindet“.

 

Die Charterfolge von Lady Gagas Hit

Erst rund vier Monate nach der Veröffentlichung notierte das Stück am 16. August 2008 erstmalig in den Billboard Hot 100 und zwar auf Platz 76. Nach weiteren vier Monaten rückte es im Januar 2009 auf Platz eins vor. In sechs weiteren Ländern eroberte der Titel ebenfalls die Spitzenposition (Australien, Kanada, Griechenland, Irland, Niederlande, Großbritannien). In den meisten anderen Ländern erreichte er die Top Ten der Charts, unter anderem in Deutschland.

Die US-amerikanische Recording Industry Association of America (RIAA) zeichnete ihn elfmal mit Platin aus. Mit über 11 Millionen verkauften Exemplaren erreichte der Titel einen Rekordwert in den USA. Weltweit wurden rund 17,1 Mio. verkaufte Einheiten verzeichnet.

 

Wie Lady Gaga mit dem offiziellen Musikvideo Aufsehen erregte

 

Bei dem Video führte Melina Matsoukas Regie. Thema ist eine Feier auf einer Hausparty.

Im offiziellen Musikvideo zeigt Gaga ein ungewöhnliches Verständnis von Kunst in der damaligen Popkultur:

  • Platinblonde Perücke, futuristisches Outfit, Glitzer Accessoires
  • Überzeichnete Club Szenerie, die perfekt zum Songthema passt
  • Eine Mischung aus Modeschau und der provokativen Weise, wie Lady Gaga den Song präsentierte

Der extravagante Stil prägte sofort ihr Image als „anders als alle anderen“.

Nun zur Handlung im Video. Zu Beginn kommt Lady Gaga in einem phantasievoll gestylten Outfit (maßgeschneiderter Jumpsuit, maßgeschneiderte Pumps, Vintage-Sonnenbrille) mit zwei Tänzerinnen zu einer Hausparty, die offenbar bereits zu Ende gegangen ist. 

Eine Tänzerin schaltet eine tragbare Partybox mit Lichteffekten ein. Die laute Musik weckt die an verschiedenen Stellen schlafenden Partygäste.

Alle tanzen nun. Szenen der Party wechseln sich mit Bildern der spärlich bekleideten Lady Gaga ab. Sie trägt einen Poncho, tanzt in einem Kinderplanschbecken und spielt mit einem aufgeblasenen Delfin aus Plastik. Sänger Colby O'Donis bringt ein kurzes Zwischenspiel. Weiterhin treten der Sänger Akon, der französische Produzent Space Cowboy und die Hip-Hop-Band Flipsyde auf.

 

Coverversionen und Remixe des Erfolgssongs

Zum Original erschienen zahlreiche Neuaufnahmen mit anderen Interpreten (Cover) und Neubearbeitungen des Originals (Remixe).

 

Coverversionen des Hits

Es gibt mehrere Coverversionen. Dabei ist die Variante der Rockband First To Eleven mit 4,2 Mio. Aufrufen bei YouTube der große Renner.

First To Eleven - Just Dance, Link zum Youtube Video

 

Ein Blick auf Remixe

Das Album Lady Gaga Featuring Colby O'Donis – Just Dance (The Remixes) enthält sechs Versionen. Daneben erschienen zahlreiche weitere Remixe. Darunter ist der Robots to Mars Mix, bei dem das YouTube Video die Szenen einer Party als Animationsfilm darstellt:

Robots to Mars Mix, Link zum Youtube Video

 

Warum ist "Just Dance" von Lady Gaga so beliebt?

Der sofort eingängige Sound des Dance-Pop entsprach genau dem Zeitgeist in der Clubkultur. Die pulsierenden Synthesizer-Beats rufen ein Gefühl Ausgelassenheit hervor, das sofort ins Ohr geht.

Der Aufruf „einfach tanzen“ kommt bei vielen Menschen gut an, weil er Freiheit von Sorgen und Stress verspricht. Die Leute identifizieren sich im Text wegen seiner Mischung aus Überforderung, Humor und der Einstellung, die positiven Seiten des Lebens zu genießen.

Zur weiteren Popularität trug auch die ausgeklügelte Tanzchoreografie bei, mit der die Künstlerin in den USA in mehreren TV-Shows, in Talkshows und in Live-Konzerten auftrat.

 

Der Einfluss des Liedes auf andere Künstler

Der Erfolg der Künstlerin brachte das Genre Dance-Pop in den Mainstream. Lieder mit Synthesizer-Sound und gut tanzbare Produktionen für Discos waren wieder stärker in den Charts vertreten. Andere Künstler brachten in der Folgezeit zahlreiche Hits heraus, die ähnliche Merkmale hatten. 

Beispiele sind:

  • David Guetta mit “When Love Takes Over” (2009)
  • Katy Perry mit „California Gurls“ (2010) oder
  • Kesha mit „TiK ToK“ (2009).

Diese Titel kombinierten Club-Sound mit Popmusik. Dies war genau das Rezept, das Just Dance in den Mainstream transportierte.

 

Zusammenfassung

Just Dance wurde ein Hit, weil er genau den Nerv der Clubkultur seiner Zeit traf. Der sofort eingängige Sound des Dance-Pop, die Botschaft „das Leben genießen“ und Lady Gagas außergewöhnliche künstlerische Inszenierung waren die maßgeblichen Faktoren.

 

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